Volker Strübing


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Volker Strübing

Ich bin nicht paranoid - ich kann beweisen, dass Ihr mich fertig machen wollt

Die gegen mich gerichtete Verschwörung hat nur einen Fehler: Sie ist zu perfekt. So bin ich ihr auf die Schliche gekommen.
Neulich zum Beispiel. Hatte ich Herpes. An der Lippe. Und was für eine! Die Mutter aller Herpen, eine schaurig glänzende Kolonie von Millionen von wimmelnden Viren, des Ekels bunte Blüte, ich sah aus, als hätte ich mir ein H.R.Giger-Gemälde auf die Lippe tätowieren lassen, als hätte ich einen Zombie gegessen und mir hinterher nicht den Mund abgewischt, ich sah aus, als hätte ein Hund mir in den Mundwinkel geschissen – verdammt noch mal: Ich schien dem feuchten Traum eines pubertierenden Warzenschweins entsprungen! In meinem Mundwinkel sah’s aus wie bei Hempels auf’m Kompost, Fotos von mir hätte man als hundertprozentigen Appetitzügler verkaufen können, ich war der Homo Horribilis! Stellt euch die Hexe aus dem Märchen von Hänsel und Gretel vor, mit all den Grieben und Pickeln, wie sie euch mit ihrem langen, warzenübersäten Zeigefinger zu sich heranwinkt ... habt ihr das Bild vor Augen? Und stellt euch jetzt noch vor, sie wäre nackig! So scheiße sah ich aus mit diesem Mundfurunkel, dieser Lippenhämmorhoide, diesem Fressleisten-Lepra! Und jetzt kommt’s: Meint ihr ein einziger Mensch hätte mich darauf angesprochen? Hätte vielleicht gesagt: „Oh Mann, Alter, du siehst ja erst mal Scheiße aus, ich muss ja gleich brechen, wenn ich dich sehe, also ich an deiner Stelle würde mich ja so nicht aus dem Haus trauen, warum ziehst du dir nicht ’ne Einkaufstüte übern Kopf, dann sieht das keiner mehr und mit ein bisschen Glück erstickste!“?
Nicht einer. Ham so getan, als wäre nichts, als wäre ich ein ganz normaler Mensch wie Du und Du und kein ästhetischer Super-GAU. Ganz freundlich haben sie getan.
Jetzt kann man sagen, na gut, vielleicht ham sie sich nicht getraut, hatten Angst, dann würde ich ihnen irgendwas tun, sie vielleicht mit kleinen Lippenschorfstückchen beschmeißen, was weiß denn ich.
Aber ich habe die Probe aufs Exempel gemacht. Bin aufgetreten. In München, im schicken München beim Poetry Slam, wo ich mit meiner Maulfäule mang all den adretten jungen Leuten auffiel, wie Smeagul Gollum auf einer Miss-Wahl.


... so sexy wie ein Quickie auf'm Dixie-Klo, so attraktiv wie der Froschkönig, wenn die Prinzessin ihn nicht an die Wand geschmissen, sondern ihm einen Strohhalm in den Arsch gesteckt und ihn aufgeblasen hätte bis er platzt!


Das Rampenlicht hat meinen Grind bestens ausgeleuchtet, er strahlte wie ein freigelegter Darmtumor im grellen Schein der OP-Lampe. Da unten vor mir, standen 400 Leute. Und die sollen sich nicht getraut haben, im Chor zu singen: „Du siehst so scheiße aus, du siehst so scheiße aus“? Ihr denkt wohl auch, ich glaub alles!
Sogar applaudiert haben sie, als sei es ein Vergnügen mich zu sehen, mich, der ich so sexy rüberkam wie ein Quickie aufm Dixie-Klo, so attraktiv wie der Froschkönig, wenn die Prinzessin ihn nicht an die Wand geschmissen, sondern ihm einen Strohhalm in den Arsch gesteckt und ihn aufgeblasen hätte bis er platzt!
An dem Abend wurde mir endgültig klar, dass hier ein ganz komisches Ding läuft und dass offensichtlich außer mir alle daran beteiligt sind!
Meine Herpes war eine einzige unwiderstehliche Aufforderung, mich zu verhöhnen, faules Obst nach mir zu werfen, mit dem Finger auf mich zu zeigen und dem Sohn zu erklären, siehst du, so siehst du auch mal aus, wenn du nicht aufhörst, dir am Puller rumzuspielen rumzuspielen. Dass es niemand tat, konnte nur einen Grund haben: Ich sollte glauben, ich würde mir die Loveparade der Herpes Simplex Viren in meinem Gesicht nur einbilden. Und wenn ich erst an meiner Herpes zweifelte, würde ich auch an den anderen Dingen zweifeln, die ich inzwischen herausgefunden habe:

1. Obwohl Bohni das bestreitet, beträgt die Summe aller ganzen Zahlen genau Null. Ich weiß aber noch nicht, was das zu bedeuten hat.
2. Obwohl die amerikanische Regierung es behauptet, haben sie in den späten 60er Jahren wirklich Menschen auf den Mond geschickt.
3. Obwohl die Berliner nur 0,17 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, gehören ihnen fast 94% aller Monatskarten der Berliner Verkehrsgesellschaft. Denkt mal drüber nach!


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